Tatsächlich Geschmackssache., Meines Erachtens verdient dieses Buch keineswegs fünf Sterne, weil es nämlich gerade keine Antworten auf die oben erwähnten Fragen bietet. Der Autor verlässt zu keiner Zeit die deskriptive Ebene; erklärende Ansätze basieren auf dem, was dem Verfasser gerade logisch oder einleuchtend erscheint. ,Beweise' für seine Thesen beginnen in der Regel mit den Worten ,...auch meine Frau und ich haben schon häufig die Erfahrung gemacht...'. Für ein Buch, das einen leicht wissenschaftlichen Eindruck erwecken will, ist das wohl ein Witz.
Ein echter Geschmacksverstärker!, Sie wollten schon immer wissen, warum einige Speisen und Getränke uns mit Menschen verbinden und gleichermaßen von anderen scheiden? Warum unser Geschmack, obgleich er doch individuell empfunden wird, eine soziale Prägung besitzt sowie soziale Grenzen zieht?
Auf diese Fragen und noch auf viel mehr, gibt der Frankfurter Soziologe Christian Stegbauer Antwort in seinem Buch "Geschmackssache? Eine kleine Soziologie des Genießens"'. Seine soziologische Abhandlung über das Phänomen des Genusses kommt dabei keineswegs wissenschaftlich nüchtern daher. Besonders im zweiten Teil des Buches, der Genuss und Wein behandelt, gelingt es dem Autor bravourös in einem unterhaltsam-narrativen Stil, Geschmacksbildung durch sozialwissenschaftliche Erklärungen wie Vergemeinschaftung, Nachahmung, Distinktionsbedürfnis u.v.m. zu erhellen. Durch den Einbezug einzelner Zitate soziologischer Klassiker wird die wissenschaftliche Argumentation untermauert, ohne im Verlaufe anstrengend zu wirken, da gleichermaßen die Schilderung von zahlreichen persönlichen Anekdoten für Auflockerung und Erheiterung sorgt und nicht nur ausschließlich der exemplarischen Verdeutlichung dient. Selbige Funktion erfüllt die Abbildung einiger Kochrezepte ursprünglich traditioneller Speisen, die heute teils in Vergessenheit geraten sind - oder aber aufgrund der sozialen Schichtzugehörigkeit bzw. des Distinktionsbedürfnisses nicht mehr en vogue sind. Eine Art soziale Grenzziehung, die kein neues Phänomen moderner Gesellschaften ist, wie Stegbauer zu berichten weiß: '"Die Dokumentation von Unterschieden, von Verfeinerung des Essens, der Abgrenzung gegenüber den anderen bringt so wie damals auch heute immer noch die merkwürdigsten Rezepte hervor. Zu römischen Zeiten etwa aß man in Essig aufgelöste Perlen!'"(S.81)
Solche historische Beispiele zwar beleuchtend, richtet sich der Fokus des Autors immer wieder auf sein Hauptanliegen, nämlich aufzuzeigen, dass der Genuss, obgleich er individuell auf der Zunge und in der Nase erlebt wird, eben kein individuelles, sondern ein soziales Thema ist. Um dies zu verdeutlichen, bezieht er unter anderem die Entwicklung des Weines sowie des Glases, ja das Weinglas per se, als Indikator für Geschmacks- und Genussbildung mit ein. Demnach vollzog sich ein Wandel in der Bewertung: weg von der des Glases, hin zu der des Weins. '"Die gestiegene Güte des Weines führte nun auch zu einer Neubeurteilung des Getränks. ...
Unterhaltsam, Eine kleine Soziologie des Genießens...Soziologie im recht lockeren Erzählstil, für alle zugänglich und verständlich. Dieses Buch zeigt in welchen Situationen und wie unser Geschmack beeinflusst wird. Wer hier Fakten und Studien erwartet ist falsch, denn es ist eher eine Art Geschichte. Sehr unterhaltsam und wenn man zwischen den Zeilen lesen kann, sieht man auch gut die soziologische Komponente.
Woher kommt eigentlich unser Geschmack? Sind Geschmäcker wirklich so verschieden wie behauptet wird? Und wie sieht es dabei mit den Menschen in unserer Umgebung aus? Welche Rolle spielen sie, damit wir Genuss empfinden? Wir meinen zwar, selbst mit unserem ureigenen Geschmack darüber zu bestimmen, was uns schmeckt. Doch unsere Vorlieben werden durch unsere Kultur geprägt, weiß der Autor dieses Buches. Ein Beispiel: der Verzehr von Hundefleisch, ins Ostasien üblich, bei uns undenkbar. Christian Stegbauer geht den Fragen nach, warum unsere Empfindungen und Geschmäcker so stark von anderen abhängig sind. Mit selbst erlebten Geschichten und überlieferten literarischen Anekdoten lockert ser seine soziologischen Betrachtungen auf. (Rezension in Slow Food 3/2007, S.
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